Pränatale Diagnosen

Pränataldiagnostik – Das Ende der guten Hoffnung

In Deutschand gelten etwa 80% aller Schwangeren als ‘Risikoschwangerschaften‘. Das ist internationaler Rekord. Allerdings nicht, weil die Gesundheitsrisiken in Deutschland besonders hoch wären. Vielmehr wird damit eine gute Begründung geschaffen, möglichst viele pränatale Untersuchungen an besorgte Schwangere zu verkaufen. Diese möchten ja schließlich wissen, ob ihr Kind auch gesund ist. Eine gefährliche Neugier.

Wenn es dann tatsächlich eine auffällige Diagnose gibt, erleben diese Eltern einen emotionalen Absturz. Man könnte meinen, jede mögliche Entscheidung sei falsch. Es kommen Fragen auf wie: Schaffen wir das? Sollten wir das Leiden dieses Kindes verhindern? Leider werden sie viel zu oft schlecht oder überhaupt nicht beraten1.


Kinder mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) sind sehr lebensfroh. Sie sind außergewöhnliche Menschen, doch keine ‘Monster’. Eltern meinen: ‘Down-Syndrom ist kein Synonym für die Abwesenheit von Glück. Es verleiht vielmehr einen neuen Blick auf das Leben‘. Betroffene und ihre Familien bewerten ihre Lebensqualität regelmäßig besser als Ärzte2. Trotzdem werden die meisten Kinder mit Trisomie 21 abgetrieben. Dies ist bis zur Geburt völlig legal. Stets ohne jede Narkose des Kindes, obwohl Berührungs- und Schmerzempfindlichkeit in der 8. Lebenswoche beginnen, und spätestens seit der 22. Lebenswoche am ganzen Körper voll ausgebildet sind3. Bei einer vorgeburtlichen Operation (z.B. bei einem offenen Rücken) wird das Kind betäubt, weil es sonst zu starke Abwehrbewegungen machen würde. Nicht aber bei einer Abtreibung..

Viele pränatale Diagnosen hätten nicht sein müssen

Die überwiegende Mehrzahl aller pränataler Diagnosen (PND) sind für das Kind nutzlos, denn sie
  • ermöglichen keine Therapie vor der Geburt
  • dienen nicht dem Wohl des Kindes
  • treiben Eltern in Gewissenskonflikte
  • bieten keine fehlerfreie Diagnose
  • schädigen das Leben vieler Menschen
  • fallen unter die ärztliche Schweigepflicht

Ärzte beschreiben meist die schlimmst mögliche Interpretation des Untersuchungsergebnisses, und empfehlen eine Abtreibung. Der Grund dafür ist, dass bei der Geburt eines behinderten Kindes der Arzt Schadenersatz zahlen muss, wenn er die Eltern nicht gewarnt hatte. Dagegen sichern sich die Ärzte ab, letztlich aufkosten des Kindes und aufkosten der Eltern. Außerdem sind pränatale Diagnosen längst zu einem einträglichen Geschäftsmodell der Gesundheitsindustrie geworden. Man schürt bei den Schwangeren eine Angst, obwohl die Ärzte nicht die Krankheit, sondern nur das Kind beseitigen können.

Die Abtreibung ist nicht ohne Risiko. Die Gefahr seelischer und körperlicher Schäden für die Frau wird zwar meist verharmlost, doch sie ist offenkundig. Dem Kind wird jedenfalls jede Chance auf Lebensglück genommen, und es wird nie die Liebe seiner Eltern erfahren können. Doch die entscheidenden Dinge des Lebens kann man nicht planen und nicht kaufen.

Lisa und Richard erzählen, wie sie die folgenschwere Entscheidung gegen ein Kind mit Down-Syndrom und die Zeit danach erlebt haben..


Im Allgemeinen gibt es einen Konsens darüber, dass man Menschen nicht von einem Leiden ‘befreien’ darf, indem man sie tötet. Der Tod ist absolut und endgültig, das Leiden nicht. Das sollte man auch vor der Geburt beachten, denn es ist derselbe Mensch! Man kann sich nicht gegen Krankheiten oder Leid absichern. Die meisten Behinderungen entstehen tatsächlich erst nach der Geburt. Also müssen wir immer lernen, mit Leid umzugehen. Das ist kein Weltuntergang, sondern erweitert unser Bewusstsein über die Bedürftigkeit des Menschen und über seinen Wert, unabhängig von allen ‘Fähigkeiten’.

Wie sich gesundheitliche Probleme des Kindes tatsächlich auswirken, kann man vorher nicht genau sagen. Viele Familien mit einem Kind mit Trisomie 21 sind sehr glücklich miteinander. Ebenso können Eltern im Voraus auch nicht wissen, wozu sie aus Liebe zu ihrem Kind alles in der Lage sind. Die Liebe einer Mutter und eines Vaters kann ungeahnte Kräfte entfalten, und das ist gut so.

Nehmen Sie Kontakt zu Familien mit Down-Syndrom auf!
Stehen Sie zu Ihrem Kind, im guten Zeiten wie in schwierigen! Es gibt immer beides.

‘Es ist normal, verschieden zu sein’ (Richard Weizsäcker)

‘Martina Puschke und Brigitte Faber von der bundesweiten Interessensvertretung behinderter Frauen „Weibernetz“ kritisieren, dass mit der Pränataldiagnostik Behinderung „nicht mehr als etwas angesehen wird, das alle betreffen kann, sondern als etwas, das in der persönlichen Verantwortung“ vor allem der Frau liege. Ihr werde
die Schuld zugeschrieben, „wenn sie die angebotenen Möglichkeiten nicht nutzt oder gar sich bewusst für ein behindertes Kind entscheidet“. Die Behindertenbewegung bezieht sich deshalb auf das „Soziale Modell“ von Behinderung, das in den angelsächsischen „Disability Studies“ aus der Kritik am „Medizinischen Modell“ heraus entwickelt wurde. Grundlegend ist hier die Unterscheidung zwischen „Beeinträchtigung“ und „Behinderung“: „Beeinträchtigt“ sind Menschen durch körperliche, geistige oder psychische Schädigungen, „behindert“ aber werden sie durch gesellschaftliche Barrieren und fehlende Unterstützung. Die Orientierung am „Sozialen Modell“ von Behinderung würde die Zielsetzung der medizinischen Forschung und Praxis grundlegend verändern. Nicht die Schädigung als solche würde im Mittelpunkt stehen, sondern der „ganze“ behinderte Mensch. „Behinderung“ und „Leiden“ würden nicht einfach gleichgesetzt. Es würde gegebenenfalls danach gefragt, worin genau das Leiden besteht und welche Mittel – medizinische oder nichtmedizinische – sich zu dessen Linderung eignen würden.’
(Auszug aus ‘Behinderung gleich Leid?‘ – Ein Beitrag von Dr. Sigrid Graumann im Tagesspiegel 2003)

Unsere Forderung

Das Interesse der Eltern an ihrem Kind ist verständlich und sehr natürlich. Doch wenn die Sicherheit des Kindes und sein Wohl wirklich vorrangig sind, sollten Ärzte und Eltern mit pränatalen Untersuchungen und Diagnosen anders umgehen. Insbesondere bei solchen Diagnosen, die für das ungeborene Kind nutzlos sind:

  • für die keine wirksamen vorgeburtlichen Therapien zur Verfügung stehen, und
  • von deren Mitteilung an die Eltern das ungeborene Kind keinen Nutzen hat.

Schwangere sollten ihren Ärzten von vornherein mitteilen, dass sie auf solche pränatal nutzlose Diagnosen nicht untersucht werden wollen, und dass sie auch keine Mitteilungen oder Hinweise erhalten wollen, falls sich dazu Anhaltspunkte aus einer Routineuntersuchung ergeben sollten. Der Arzt ist an seine ärztliche Schweigepflicht gebunden, auch gegenüber den Eltern. Damit wird erreicht, dass der Arzt die Eltern im Zweifelsfall nicht mehr zu einer Abtreibung drängt. Zudem verläuft die Schwangerschaft unbeschwerter, die Schwangere ist und bleibt ‘guter Hoffnung’, und muss sich weniger Sorgen wegen Untersuchungen machen, deren Ergebnisse sowieso meistens unauffällig sind. Wenn ein Kind mit einer Auffälligkeit geboren wird, ist es immer besser, wenn man das Kind vor sich sieht, als wenn sich Eltern monatelang versuchen vorzustellen und auszumalen, wie das dann sein würde. Allzu oft wird aus dem Kind eine ‘Diagnose’, es wird entmenschlicht und dann das Problem ‘beseitigt’, und ‘das Kind mit dem Bade ausgeschüttet’. Heilung sieht jedenfalls anders aus, und möglicherweise (!) auftretendes Leiden darf man nicht ‘beenden’, indem man Menschen tötet.

Diese Forderung wurde 2015 mit einer Willenserklärung allen deutschen Frauenärzte im Namen der ungeborenen Kinder zugestellt. Dieter Egert war damals ein gerichtlich eingesetzter gesetzlicher Vertreter für ungeborene Kinder (durch Pflegschaft), und daher rechtlich befugt, eine solche Willenserklärung zu verfassen. Mit der Zustellung ist eine Willenserklärung rechtswirksam und bleibt dies auch nach Beendigung einer Pflegschaft. Allerdings wurde die Rechtswirksamkeit vom Bundesverband der Frauenärzte noch im Februar 2015 abgestritten, und konnte seither auch nicht gerichtlich geklärt werden, da kein konkreter Einzelfall für eine Klage vorlag. 
Details dazu lesen Sie hier oder im Menü unter Beiträge – Gefährliche Diagnosen oder die Beiträge unter dem Schlagwort PND.

Wenn Sie eine Familie mit einem Kind mit Down-Syndrom kennen lernen möchten, kontaktieren Sie uns.


Weitere Infos, Fussnoten

  1. Kunstfehler in der Schwangerenberatung, Dissertation Brinkhoff, Erlangen, 2014
  2. Studie von Annie Janvier u.a., Pediatrics, Aug. 2012, Vol 130/2
  3. Pränatale und perinatale Schmerzempfindung, Bundesärztekammer, (Dtsch Ärzteblatt 1991; 88(47)), Vgl. auch Schmerzempfindsamkeit vor der Geburt

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