Führt ein Verbot nicht zu mehr gefährlichen Abtreibungen?

Es wird immer wieder die Befürchtung genannt, dass Frauen bei einem Abtreibungsverbot auf gefährliche Methoden zurückgreifen würden. Um dies zu verhindern, müsse Abtreibung legal möglich sein. Außerdem könne ein Verbot die verzweifelten Frauen nicht von einer Abtreibung abhalten. Die offiziellen WHO-Zahlen zeigen allerdings das Gegenteil.

Die WHO veröffentlicht die Zahlen zur Müttersterblichkeit unter gamapserver.WHO.int/gho/interactive_charts/mdg5_mm/atlas.html . Doch dort ist ersichtlich, dass Länder mit einer restriktiven Gesetzgebung bei Schwangerschaftsabbrüchen wie Irland, Polen oder Chile keineswegs eine hohe Müttersterblichkeit aufweisen. Die Rate ist dort seit Jahrzehnten auf demselben Niveau wie in den USA, China oder Russland, wo Abtreibung weitgehend legalisiert ist. Offenbar sind die Zusammenhänge ganz anders.

Maternal_morality_ratio_Global_map_2015-WHO.int

Dann gibt es Studien, die behaupten, eine Geburt bedeute ein deutlich höheres Todesrisiko als eine Abtreibung (David Reardon, 2012). Problematisch ist dabei in aller Regel, dass bei Abtreibungen die unmittelbare Ursache der Todesfälle oft nicht korrekt zugeordnet werden können. Auch die Beteiligung des Guttmacher-Instituts bei dieser Studie macht skeptisch, weil dieses stark für die Freigabe von Abtreibung engagiert ist. Aussagekräftiger sind daher Studien, bei denen die Todesfälle innerhalb von jeweils 1 Jahr nach einer Abtreibung oder Geburt untersucht werden, also ohne den Versuch einer mehr oder weniger zutreffenden Ursachen-Zuordnung (siehe Studien unten). Dabei zeigen sich statistisch signifikante Unterschiede, allerdings mit einer ganz anderen Aussage wie bei den Guttmacher Studien.

Eine finnische Studie ist besonders erwähnenswert, weil Finnland eine sozialisierte Gesundheitsversorgung besitzt, mit sehr vollständigen und genauen Gesundheitsdaten. Daraus identifizierten die Wissenschaftler 281 Frauen die innerhalb eines Jahres nach ihrer letzten Schwangerschaft gestorben waren. Die unjustierte Sterblichkeitsrate pro 100000 Fälle betrug 27 für Frauen mit einer Geburt, 48 für Frauen mit einer Fehlgeburt oder Eileiterschwangerschaft, und 101 für Frauen die eine Abtreibung hatten. Näheres dazu auch unter afterabortion.org/2000/abortion-four-times-deadlier-than-childbirth

Coleman PK, Reardon DC, Calhoun BC. Reproductive history patterns and long-term mortality rates: a Danish, population-based record linkage study Eur J Public Health, first published online September 5, 2012

Reardon DC, Coleman PK. Short and long term mortality rates associated with first pregnancy outcome: Population register based study for Denmark 1980-2004Med Sci Monit 2012;18(9):PH 71 – 76.

Klemetti R, Gissler M, Niinimäki M, Hemminki E. Birth outcomes after induced abortion: a nationwide register-based study of first births in Finland. Hum Reprod 2012 Aug 29. [Epub ahead of print]

Elard Koch et al, Abortion legislation, maternal healthcare, fertility, female literacy,
sanitation, violence against women and maternal deaths: a natural experiment in 32 Mexican states  British Medical Journal, BMJ Open 2015

Diese Grafik zeigt die Müttersterblichkeit in südamerikanischen und afrikanischen Staaten in Abhängigkeit von der gesetzlichen Regelung von Abtreibungen. Die am wenigsten freizügigsten, also die strengsten Regelungen (least permissive) führen demnach keineswegs zu höherer Müttersterblichkeit.


abortion-laws-and-maternal-mortality-due-to-abortion

(Klick: Vergrößerung in neuem Tab)

Dann sollte man sich noch folgende eindrückliche Grafik ansehen. Es zeigt den historischen Verlauf der Müttersterblichkeit in New York, seit 1917. (c) Public Domain

 

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