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Was Google über die Verzweiflung schwangerer Frauen verrät

Die Presse verbreitet wieder mal Falschmeldungen der Abtreiber-Lobby. Diesmal sogar besonders platt, weil einfach zu durchschauen. Man könnte meinen: Vorsätzlich falsch.
Die New York Times behauptete kürzlich, dass Frauen, die in den USA überhaupt keine Abtreibungsklinik mehr finden würden. Daher seien sie so verzweifelt, dass sie allein 2015 über 199000 mal gegoogelt hätten nach ‚How to have a miscarriage‘ (‚Wie bekomme ich eine Fehlgeburt‘). Die exakte Suchfolge ‚how to do a coat hanger abortion‘ (‚Wie kann ich mit einem Kleiderbügel abtreiben‘) sei 1300 mal aufgerufen worden. Dies berichtete jedenfalls die New York Times, und dann die Süddeutsche.


Dumm nur, dass man sich leicht auf dem betreffenden Angebot ‚Google-Trends‘ vergewissern kann: Google veröffentlicht seit längerem überhaupt keine absoluten Abruf-Zahlen von Suchbegriffen. Es werden nur relative Häufigkeiten angegeben. Und auch damit kommt man zu völlig anderen Schlussfolgerungen:

Interessant ist auch, dass bei einer Suche der zeitliche Verlauf der Suchanfragen als Prozentsatz ausgegeben werden kann. Dabei ist zu sehen, dass die Anfragen nach ‚How to have a miscarriage‘ in den USA immer gleichmäßig verteilt aus denselben 10 Bundesstaaten gemacht wurden – von 50 Bundesstaaten insgesamt! Man könnte meinen, nur dort gibt es Leute, die sich dafür interessieren. Vielleicht ja auch nicht ganz zufällig, sondern aus Gewohnheit. Oder auch ehrenamtlich – gegen reine Unkostenerstattung beispielsweise. Damit die Google-Statistik am Ende stimmt.

Merke: Auch die Süddeutsche sollte besser recherchieren, bevor sie Berichte und gefälschte Statistiken von US-Pressediensten abschreibt.
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Süddeutsche.de: Was Google über die Verzweiflung schwangerer Frauen verrät
Der Original-Artikel stand hier:
The New York Times: The Return of the D.I.Y. Abortion

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